Mobilitätsverhalten


Die Gesellschaft ist gekennzeichnet von einer zunehmenden Diversifizierung der Lebensstile, Flexibilisierung der Arbeitszeiten und Arbeitsorte (z. B. Home-Office) sowie einer stärkeren Ausdifferenzierungder Freizeitgestaltung. Durch die wachsende Zahl der Alleinlebenden in allen Altersgruppen, bewusster oder gesundheitsbedingter Verzicht auf den Besitz eines eigenen Autos, eine verstärkte Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien entstehen neue Formen der Mobilität bzw. sich verändernde Mobilitätsbedarfe. Die Folge ist eine differenziertere Verkehrsnachfrage, welche besonders den ÖPNV vor Herausforderungen stellt.

Das tägliche Mobilitätsverhalten jedes einzelnen Menschen wird durch ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren beeinflusst. Vor jeder Mobilitätsentscheidung werden die eigenen Ansprüche, grundsätzliche Einstellungen, spezifische Möglichkeiten und der Zugang zum jeweils infrage kommenden Verkehrsmittel und zu dessen Nutzung geprüft.

Das Mobilitätsverhalten der deutschen Bevölkerung ist seit einiger Zeit grundlegenden Veränderungen unterworfen. Mobilitäts- und Verkehrsforscher gehen davon aus, dass die Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs perspektivisch zumindest in den städtischen Räumen stark abnehmen wird. Werden heutzutage noch knapp 60 Prozent aller Alltagswege mit dem eigenen PKW unternommen, werden es 2050 aller Voraussicht nach nur noch rund ein Drittel sein. Auf dem Vormarsch befinden sich Alternativen zum privat genutzten PKW wie der ÖPNV, aber auch das (elektrische) Fahrrad, Carsharing-Modelle oder der Gang zu Fuß.

In Brandenburg ist das Mobilitätsverhalten weiterhin durch eine fast vollständige Führerscheinverfügbarkeit und eine hohe Dichte an vorhandenen Fahrzeugen geprägt. Der Motorisierungsgrad liegt in Brandenburg über dem Bundesdurchschnitt und die Wegelängen werden größer. Die durchschnittliche Wegelänge beträgt für Pkw-Wege fast 25 Kilometer in Brandenburg, Tendenz steigend. Am weitesten sind dabei die Arbeitswege, die in Brandenburg durchschnittlich über 20 Kilometer einfache Entfernung ausmachen. 7

Das klassische Verkehrsmittelangebot setzt sich aus den Modi „Fußverkehr“, „Radverkehr“, „ÖPNV“ und dem motorisierten Individualverkehr „MIV“ im Personenverkehr für den Nahbereich zusammen. Durch die Entwicklung der Kommunikations- und Informationstechnologien hat sich die Möglichkeit einer intelligenten Verknüpfung der klassischen Verkehrsmittel in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Gleichzeitig entstehen durch die immer stärkere Marktreife energieeffizienter Antriebstechnologien zusätzliche Angebote. Durch die Verbreitung von Elektrofahrzeugen, besonders Elektrofahrrädern (Pedelecs), bieten sich alternative Verkehrsmittel an. Die Reichweite des klassischen Fahrrads wird durch die Pedelecs deutlich vergrößert und es ergeben sich neue Mobilitätsalternativen.

Die Nutzung von Bus und Bahn bzw. alternativer Mobilitätsformen wie z.B. Rufbus, Carsharing etc. erfordert eine vorherige Information zu Verfügbarkeiten oder Fahrplänen. Eine Untersuchung des ADAC8 zur Mobilität älterer Menschen im ländlichen Raum hat gezeigt, dass Brandenburgs Senioren bei Mobilitätsanwendungen mittlerweile eine hohe Internetaffinität aufweisen, die über dem Bundesdurchschnitt liegt. So nutzen ca. 55 Prozent aller Befragten im Land Brandenburg einen Internetanschluss und 28 Prozent ein Smartphone; in der deutschlandweiten Studie sind es ca. 42 bzw. 16 Prozent. Der Anteil der 55- bis 64-Jährigen bei der Nutzung eines Internetanschlusses liegt mit ca. 83 Prozent um 7 Prozent über dem Bundesdurchschnitt und bei der Nutzung des Smartphones von ca. 46 Prozent sogar 19 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Bei der Verkehrsmittelnutzung zeigen sich deutliche lebensphasenabhängige Entwicklungen. Am bemerkenswertesten ist dabei die bereits durch das Auto geprägte Erfahrung der jüngsten Verkehrsteilnehmer: So legen Brandenburger Vorschulkinder knapp zwei Drittel ihrer Wege im Auto zurück.9 Diesen Kindern fehlt häufig von klein auf der selbstverständliche Erwerb eigener Verkehrskompetenz zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bussen und Bahnen.